Wie wichtig ist das Schreiben mit der Hand?

Am 23. Januar ist Tag der Handschrift.

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Was konntest du zuerst? Deinen Namen mit der Hand schreiben oder Wörter am Handy oder Tablet tippen? „Eigentlich ist es egal, womit Kinder starten“, sagt der Sprachforscher Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek. „Die Hauptsache ist, dass sie mit der Schrift in Kontakt kommen.“ Trotzdem ist es sehr wichtig, gut mit der Hand schreiben zu können.

Denn: „Schreiben mit der Hand hat den Vorteil, dass man nur wenig Werkzeug dafür braucht“, erklärt der Experte. Beim Handy oder Tablet kann auch mal der Akku leer sein. Und wer mit Stift und Papier schreibt, trainiert seine Hand und feine Bewegungen. Trotzdem, sagt Prof. Dr. Becker-Mrotzek, sei es auch wichtig, dass schon Kinder lernen, mit einer Tastatur zu schreiben. „Man muss heute beides können“, sagt der Experte. „Das Wichtigste ist, dass man auf beide Arten flüssig schreiben kann.“

Das Ziel: flüssig schreiben

Aber was bedeutet „flüssig schreiben können“? Der Sprachforscher erklärt es so: Man sollte über das Schreiben selbst nicht mehr viel nachdenken oder sich dabei anstrengen müssen. So schafft man es, auch mal schnell etwas mitzuschreiben, was ein anderer sagt. „Und wer mit der Hand schreibt, sollte natürlich so schreiben, dass man es gut lesen kann.“

Wer sich auf das Schreiben selbst nicht mehr so sehr konzentrieren muss, der kann sich besser merken, was er aufschreibt. Manche Experten meinen, das funktioniere beim Schreiben mit der Hand besonders gut. Prof. Dr. Becker-Mrotzek findet, das könne man so nicht sagen. „Es gibt viele Studien mit verschiedenen Ergebnissen dazu“, erklärt er.

„Es kommt wohl vor allem darauf an, wie geübt der Schreibende an der Tastatur oder mit dem Stift ist.“ Wer sonst nicht viel mit der Hand schreibt und sich dabei sehr anstrengen muss, der kann sich den Inhalt des Aufgeschriebenen vermutlich nicht so gut merken, als hätte er flüssig mit einer Tastatur geschrieben. Wer sich beim Tippen noch sehr konzentrieren muss, der kann sich an den Inhalt später besser erinnern, wenn er per Hand mitschreibt.

Am 23. Januar ist der Tag der Handschrift

Der Tag der Handschrift wurde vor etwa 50 Jahren von der amerikanischen „Writing Instrument Manufacturers Association“ (WIMA) ins Leben gerufen. Der Name bedeutet übersetzt etwa: Verband der Hersteller für Schreibgeräte. Manche sagen deshalb: Es ging damals nicht darum, ob die Handschrift wirklich wichtig ist, sondern mehr darum, Stifte und ähnliches zu verkaufen.

Den 23. Januar wählte die WIMA aus, weil es der Geburtstag von John Hancock ist. Er war der Erste, der im Jahr 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterschrieb. Das ist ein sehr wichtiges Dokument in der Geschichte der USA.

Von Friederike Bach

Veröffentlicht am 21. Januar 2022