Dein EXIT-Rätselkrimi: „Das Geheimnis der Piraten“

Lies den Text und löse das EXIT-Rätsel mit Hilfe dieses Bildes!

Illustration: Burkhard Schulz (M.B. SCHULZ Illustration)

Ich rannte durch den Wald, und es kam mir so vor, als ob ich schon stundenlang unterwegs wäre. Meine Füße wichen Wurzeln aus, mein Kopf duckte sich unter Zweigen hinweg, die auf den Weg herabhingen. Und immer wieder warf ich kurze Blicke nach hinten: War da schon jemand zu sehen oder hatte ich noch genug Vorsprung vor meinen Verfolgern?

Niemand in Sicht – das war gut! Denn ich durfte auf keinen Fall zulassen, dass mich jemand einholte. Mein Herz klopfte immer heftiger und jeder Schritt war etwas anstrengender als der davor. Hier irgendwo musste es doch sein, dachte ich, während ich einen großen Bogen um ein paar Büsche machte. Und tatsächlich: Dahinten zwischen den Bäumen war eine bunte Fahne zu sehen! Gleich hatte ich es geschafft!

Der Anblick gab mir wieder neue Kraft. Ich lief, wie ich noch nie gelaufen war, meine Füße flogen über den Boden, und ich sah nichts mehr außer der Fahne, die ich erreichen musste. Ich war schnell, ich war konzentriert, ich war gut … ich verlor das Gleichgewicht und knallte voll auf den Boden! Denn direkt vor dem Baum mit der bunten Fahne war eine Stelle mit nassem Laub, und die hatte anscheinend nichts Besseres zu tun, als mir die Füße unter den Beinen wegzureißen. Und ich Depp war natürlich darauf ausgerutscht, weil ich nur auf die Fahne geachtet hatte. Jetzt bloß schnell wieder auf- stehen, sonst war mein guter Platz bei der Schnitzeljagd im Eimer! Stopp mal, das mit der Schnitzeljagd hatte ich noch nicht erwähnt, oder? Das passiert mir oft, wenn ich etwas erzähle. Dass ich einfach mittendrin beginne und darüber den Anfang ganz vergesse.

Also, ich heiße Jakob, bin zehn Jahre alt, und die Rennerei durch den Wald war eine Schnitzeljagd im Zeltlager. Und in dem Zeltlager war ich, weil Mama und Papa früher als Kinder auch immer in Zeltlagern ihre Ferien verbracht haben. Darum glaubten sie, dass alle Kinder das toll finden würden. Ganz ehrlich: So richtig begeistert war ich nicht, als ich das hörte. Ich meine, Zeltlager, das klang für mich erst mal nach Mückenstichen, Brennnesseln und Typen, die abends am Lagerfeuer auf der Gitarre rumzupften.

Als wir ankamen, mussten wir sogar unsere Handys abgeben! Die würden uns zu sehr ablenken, hatte Klaus, der das Zeltlager leitete, gesagt. Es wäre natürlich auch eine absolute Katastrophe gewesen, wenn uns irgendwas von den Mückenstichen und den Brennnesseln abgelenkt hätte. Denn es gab wirklich Mücken und Brennnesseln. Und Klaus hatte auch wirklich eine Gitarre und leider überhaupt kein Talent dafür, sie zu spielen. Aber das Komische war: Es war trotzdem nicht so blöd, wie ich gedacht hatte.

Das Programm, das die mit uns machten, war nämlich nicht übel – zum Beispiel diese Schnitzeljagd. Die war richtig cool. Die Gruppenleiter hatten im Wald um den Zeltplatz herum viele Stationen mit Rätseln und Spielen aufgebaut. Und wir mussten den Weg von einer zur anderen finden und die Aufgaben möglichst schnell lösen, die wir dort bekamen. Ich glaube, ich war ganz gut. Ich war bisher superschnell gelaufen und für die Rätsel hatte ich auch nie lange gebraucht. So hatte ich inzwischen mindestens drei andere überholt! Das konnte eine Spitzenzeit werden – wenn dieser blöde Stolperer nicht wieder alles kaputtmachte! Ich richtete mich auf, klopfte mir den Dreck von den Knien (zum Glück blutete nichts) und schaute mich um: Wo war die Station?

„Alles in Ordnung, Jakob?“ Ich guckte in die Richtung, aus der die Stimme kam, und sah wieder die Fahne, die das Erkennungszeichen der Station war. Daneben stand Anne und schaute zu mir rüber, während ich aufstand. Anne war eine der Gruppenleiterinnen und eigentlich ganz nett. Auch wenn sie manchmal redete, als ob sie uns alle für Kindergartenkinder hielt. So wie jetzt zum Beispiel: „Hui! Da hast du dich aber ganz schön hingelegt, was?“ Ich war zehn Jahre alt und kam bald in die fünfte Klasse – alt genug, um es selbst zu merken, wenn ich mich hinlegte.

„Magst du denn trotzdem weiterspielen?“ Was für eine Frage! Dachte sie etwa, dass ich hier nur durch die Gegend rannte, weil es mir so viel Spaß machte, hinzufliegen? Das fragte ich sie natürlich nicht. Stattdessen sagte ich nur: „Klar, worum geht es denn?“ Anne führte mich zu einem großen, blauen Stofftuch, das zwischen zwei Bäumen aufgespannt war. „Die Aufgabe ist dahinter versteckt“, erklärte sie mir. „Und sie hat etwas mit Piraten zu tun.“

Das Wort Piraten betonte sie dabei besonders, als ob das eine wahnsinnige Überraschung wäre. War es aber natürlich nicht, denn die ganze Schnitzeljagd hatte mit diesem Thema zu tun. Wahrscheinlich, weil das Zeltlager in einer Gegend lag, in der früher Piraten ihr Unwesen getrieben hatten. Der Zeltplatz war nah am Meer, und draußen vor der Küste gab es viele kleine Inseln, auf denen sich früher angeblich Seeräuber versteckt haben sollen. Ich konnte mir das allerdings nicht vorstellen. Im Wasser waren so viele Klippen und Felsen, da wäre ein Piratenschiff bestimmt dagegen gefahren.

„Genauer gesagt, geht es um den bösen Piraten Neunauge“, fuhr Anne fort. „Der hat früher die Dörfer hier an der Küste überfallen. Aber Neunauge war kein gewöhnlicher Pirat: Er liebte es, die Menschen zu verwirren. Manchmal gab er seinen Opfern auch eine Chance, ihre Sachen zu behalten. Dann stellte er ihnen ein Rätsel. Und wenn sie es lösen konnten, zog er mit seinen Leuten wieder ab, ohne etwas mitzunehmen. Aber die Rätsel von Neunauge waren so schwer, dass das selten jemand schaffte.“

Anne deutete auf das Tuch. „Wenn wir gleich dahintergehen, wirst du sehen, dass dort schon zwei andere Kinder sind: Nelli und Marek. Wichtig ist: Jeder spielt für sich allein. Kein Abgucken und kein gemeinsames Lösen, okay?“ Ich nickte. „Gut, dann gucken wir uns die Aufgaben doch einmal an.“ Anne führte mich hinter das Tuch und da waren wirklich schon ein Junge und ein Mädchen. Ich kannte beide vom Sehen, aber ich hatte null Ahnung, wie sie hießen.

Das Mädchen – Nelli, offenbar – hatte lange, braune Haare und trug einen gestreiften Pulli. Sie trat ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Entweder ärgerte sie sich, dass sie nicht auf die Lösung kam, oder sie musste mal Pipi. Der Junge, der wohl Marek sein musste, trug Sportklamotten und eine Schirmmütze. Nervös zog er den Reißverschluss seiner Trainingsjacke hoch und runter und murmelte ab und zu irgendetwas vor sich hin. Beide guckten kurz zu Anne und mir, dann konzentrierten sie sich wieder auf den Rätselaufbau.

Und den sah auch ich mir jetzt an. Es war eine ziemlich merkwürdige Szene: Eine ganze Masse Kram lag und hing herum. Auf einige Sachen waren Zahlen aufgeklebt worden, auf andere nicht. Und dazwischen standen ein paar Wegweiser, die in vollkommen unsinnige Richtungen zeigten. Was sollte das werden? Vielleicht ein Gedächtnisspiel? Na gut, bestimmt würde Anne mir gleich erklären, wie das funktionierte. So liefen diese Stationen ja immer ab: Die Spielleiter sagten einem, was man tun sollte, und dann musste man das eben so schnell wie möglich ausführen.

„Bei diesem Spiel musst du drei Zahlen herausfinden“, sagte Anne und lächelte mich an. „Dieser Zettel hilft dir, sie in die richtige Reihenfolge zu bringen. Wenn du fertig bist, schreibst du die drei Zahlen auf diesen Zettel und gibst ihn mir.“ Damit drückte sie mir einen Stift in die Hand und ein Blatt Papier, auf dem die gleichen Symbole waren wie auf den komischen Wegweisern.

Ich verstand gar nichts. Aber jetzt würde sie mir bestimmt gleich noch erklären, wie genau das mit dem Herausfinden gehen sollte. Denkste! Sie lächelte nur und sagte: „Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst. Doch wenn du schneller bist als die Leute, die vor dir angekommen sind, überholst du sie natürlich in der Gesamtwertung. Viel Erfolg.“ Und damit ging sie einfach weg! Zurück vor das Tuch! Und ließ mich hier zurück – mit zwei fremden Kindern und einem Rätsel, bei dem ich keine Ahnung hatte, wie ich es lösen sollte.

Jetzt bist du an der Reihe!

Welche drei Zahlen will Anne wissen? Schau dir die Wegweiser ganz genau an. Worauf deuten sie? Löse dann das Rätsel.

Noch mehr Rätsel von EXIT liest du in diesem Buch:

EXIT – Das Buch: Das Geheimnis der Piraten
von Jens Baumeister und Inka und Markus Brand
KOSMOS Verlag
15 Euro
ab 8 Jahren

Die Lösung

Der Wegweiser mit dem Säbel deutet auf einen Schuh, der dazugehörige zweite Schuh trägt die Ziffer 0. Der Wegweiser mit dem Schädel deutet auf die Öllampe, um diese zu entzünden benötigt man Streichhölzer, diese tragen die Ziffer 6. Der Wegweiser mit der Hakenhand deutet auf einen Hering (Zeltnagel). Diese sorgen dafür, dass das Zelt sicher steht. Das Zelt trägt die Ziffer 2. Der Code lautet: 062.