Dein Rätselkrimi: „Bingo Bingo“

Die drei ??? lösen gemeinsam spannende Fälle.

Bild: Jan Saße, Horgenzell

„Titus, hast du die Pappteller eingepackt?“, hörte man Tante Mathilda durchs Haus rufen. „Ja, hab ich. Auch die Plastikgabeln“, rief Onkel Titus zurück. „Alles ist auf dem Pick-up. Fehlen nur noch die Kirschkuchen.“ Justus Jonas saß noch schläfrig auf der Veranda und trank heißen Kakao. „Was ist das für eine Hektik heute Morgen? Das Stadtfest beginnt doch erst in gut zwei Stunden, Tante Mathilda.“ „Ja, aber wenn wir zu spät kommen, sind die besten Plätze für die Verkaufsstände weg.“ In den Händen hielt sie einen großen Stapel Pappschachteln.

Seit zwei Tagen war sie damit beschäftigt, Kirschkuchen zu backen. Diesen wollten sie und Onkel Titus auf dem Stadtfest von Rocky Beach verkaufen. Das Stadtfest fand einmal im Jahr statt. In diesem Moment trafen auch Peter und Bob auf ihren Rädern ein. Sie hatten versprochen, beim Aufbau des Verkaufsstands zu helfen. „Hallo, ihr beiden“, begrüßte sie Onkel Titus. „Ihr kommt gerade rechtzeitig, denn diese Klapptische müssen noch auf die Ladefläche.“ Peter packte sich gleich zwei davon auf die Schulter. „Kein Problem, das ist schnell gemacht.“ Bob nahm auch einen Klapptisch und drehte sich dabei zu Justus. „Und was ist mit dir? Sollen wir alleine schwitzen?“ Justus nahm einen letzten Schluck Kakao. „Ich arbeite lieber mit dem Köpfchen. Und mein Köpfchen sagt mir, dass Onkel Titus den großen Sonnenschirm vergessen hat. Bei der Hitze heute wird sonst der Kirschkuchen sofort vertrocknen.“ Peter musste lachen. „Hauptsache, dein Gehirn vertrocknet nicht. Sonst hätten wir keinen Superdetektiv mehr.“

Eine halbe Stunde später erreichten sie den Marktplatz von Rocky Beach. Hier war schon einiges los und überall bauten Verkäufer ihre Stände auf. Vor der Polizeiwache stand ein kleines Karussell und neben Giovannis Eiscafé konnte man an einem Glücksrad drehen. Der Eisverkäufer war bester Laune.
„Signore und Signori. Liebe Bambini. Kommt pronto zu meine Glucksrad. Einmal drehen kostet nur piccole zehn Cent. Bei Gluckskleeblatt gibt es eine Kugel Eis gratis.“ Bob war begeistert. „Das hört sich fair an. Auf dem Glücksrad sind haufenweise Kleeblätter zu sehen. Die Chancen stehen gut, eins davon zu treffen.“ Doch Tante Mathilda hielt die drei zurück. „Stopp! Nicht so schnell! Erst wird der Verkaufsstand aufgebaut.“ Onkel Titus zog die Klapptische vom Pick-up herunter. „Wir bauen den Stand direkt neben dem Brunnen auf. Ein guter Platz, denn hier kommen die meisten Besucher des Stadtfestes vorbei.“ Schnell war alles aufgestellt und Tante Mathilda packte ihre Kirschkuchen aus. „Jetzt kann der Verkauf losgehen“, strahlte sie. „Hier habt ihr jeder ein kleines Stück Kuchen und einen Dollar. Danke für eure Hilfe.“ Justus schob sich sofort das Kuchenstück in den Mund. „Lange werdet ihr hier sowieso nicht stehen müssen. Ich wette, nach kurzer Zeit ist alles verkauft. Dein Kirschkuchen ist in Rocky Beach berühmt und sehr beliebt.“

Bob zog es zum Glücksrad von Giovanni. „Und ich wette, dass ich gleich was gewinne. Kommt mit zum Glücksrad.“ Giovanni war hoch erfreut, als er die drei sah. „Ah, molto bene! Ihr seid meine ersten Kunden. Versucht euer Gluck! Einmal drehen nur zehn Cent. Den Gewinn spende ich an einen Kindergarten mit vielen kleinen Bambini.“ Bob überreichte dem Eisverkäufer das Geld. „Okay, ich drehe einmal. Vielleicht habe ich ja Glück.“ Mit viel Kraft setzte er das Glücksrad in Schwung. Es drehte und ratterte, bis es allmählich langsamer wurde. Auf dem Rad gab es viele grüne Kleeblätter, aber nur eins war goldfarben. Und genau auf dieses bewegte sich der Stopper zu. Dann hielt das Glücksrad genau an der Stelle an. Giovanni riss die Arme hoch. „Das gibt es doch gar nicht. Mamma mia! Das goldene Kleeblatt ist der Hauptgewinn. Ein Monster-Eisbecher.“

Bob strahlte. „Cool! Unser Glückstag. Bitte aber mit drei Löffeln.“ Als Giovanni den Eisbecher füllte, kam ein bärtiger Mann zum Eiscafé. Die drei ??? kannten ihn. Es war Bud Norris, der Vater von Skinny Norris. Der ältere Junge war kein guter Freund von ihnen. Bud Norris hielt Giovanni eine kleine Kühlbox entgegen. „Hier, bitte vollmachen mit Eiswürfeln. Hier ist doch ein Eisladen, oder?“ Giovanni sah den unfreundlichen Mann verwundert an. „Ja, aber ich verkaufe nur Speiseeis und keine Eiswürfel. Aber ich mache Ausnahme. Natürlich hab ich für kalte Getränke Eiswürfel. Hier, prego, bitte schön. Kostet nix. Ist gratis Service von Giovanni. Ciao.“ Ohne Danke zu sagen, verschwand Bud Norris wieder. In der Hand trug er die mit Eiswürfeln gefüllte Box.

Nachdem die drei ihr Eis aufgegessen hatten, bedankten sie sich bei Giovanni und schlenderten über den Markt. Mittlerweile war viel los. Die seltsamsten Dinge wurden zum Kauf angeboten. Eine ältere Dame verkaufte sogar Sand vom Strand in Rocky Beach in Dosen. Viele Besucher schienen sich aber nicht dafür zu interessieren. Bei einem großen Zelt in einer Seitengasse drängten sich wiederum die Leute am Eingang. Über dem Zelt hing ein Schild: BINGO, BINGO – GEWINNEN SIE 1.000 DOLLAR! Bob zeigte auf das Zelt. „Da müssen wir hin. Ich kenne das Bingo-Spiel. Heute ist unser Glückstag. Vielleicht klappt es auch dort.“ Justus und Peter folgten ihm. Doch so recht an die 1.000 Dollar wollten sie nicht glauben. Um bei dem Spiel mitzumachen, musste man zwei Dollar am Eingang bezahlen. Nach langem Hin und Her gelang es Bob, seine beiden Freunde zu überreden. „Ihr werdet es nicht bereuen“, strahlte er. „Heute gewinnen wir beim Bingo.“

In dem Zelt waren viele Stühle aufgestellt und die drei ??? nahmen Platz. Jeder der Spielteilnehmer erhielt eine kleine Karte, auf der fünf Zahlen standen. Als der letzte Stuhl besetzt war, betrat ein bärtiger Mann das Zelt. Es war Bud Norris. „Meine Damen und Herren“, rief er laut. „Wir beginnen die erste Bingo-Runde.“ Mit großen Schritten ging er hinter einen Tisch. Darauf stand eine Art Aquarium aus Glas. Bud Norris beugte sich nun mehrmals nach unten und füllte Stück für Stück das Glasbecken mit vielen Eisenkugeln. „Hier drin liegen jetzt einhundert Kugeln. Auf jeder Kugel steht eine Zahl. Ich werde gleich mit verbundenen Augen eine Kugel nach der anderen ziehen, und einer von Ihnen liest die jeweilige Zahl laut vor. Wenn Sie die Zahl auch auf Ihrem Zettel haben, haken Sie diese ab. Wer als Erstes alle fünf Zahlen hat, ruft laut BINGO und gewinnt die 1.000 Dollar.“

Bob rutschte auf seinem Stuhl hin und her. „Seht ihr: ganz einfach.“ Jetzt wickelte sich Bud Norris einen Schal vor die Augen. Darüber stülpte er sich einen Plastikeimer. „Der kann wirklich nichts mehr sehen“, sagte Peter. Die erste Zahl war eine 9 und einige der Mitspieler machten Kreuze auf ihren Gewinnkarten. Es folgten die 12, die 49 und die 98. Bob hatte immer noch keine davon. Bei der 6 rief jemand plötzlich laut: „BINGO!“ Bob stand der Mund offen. „Das ist Skinny Norris! Die schummeln doch. Aber wie kann das sein?“ Peter war genauso erstaunt. „Verstehe ich auch nicht. Sein Vater konnte doch nicht sehen, welche Kugeln er aus dem Becken zog.“ Skinny hingegen hüpfte von einem Bein auf das andere. „Gewonnen! Gewonnen! Ich bekomme die 1.000 Dollar.“ Justus witterte eine Schummelei und ging in die Knie, damit er unter den Tisch sehen konnte. Dort standen ein leerer Eimer und die offene Kühlbox mit den Eiswürfeln. Plötzlich ging ihm ein Licht auf und er zog seine beiden Freunde zu sich. „Sehen konnte Bud Norris nicht, welche die fünf Kugeln von seinem Sohn waren – aber fühlen. Ich ahne jetzt, wie der Trick funktioniert.“ Wenig später wurde das Bingo-Zelt von Kommissar Reynolds geschlossen.

Welchen Trick vermutete Justus?

Von Ulf Blanck und Boris Pfeiffer

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Die Lösung: 

Bud Norris hatte die fünf Eisenkugeln zuvor zwischen den Eiswürfeln abgekühlt. So konnte er die kalten Kugeln mit den Fingern ertasten.