Dein EXIT-Rätselkrimi: „Der geheime Schatz“

Lies den Text und löse das EXIT-Rätsel mit Hilfe dieses Bildes!

Illustration: Burkhard Schulz (M.B. SCHULZ Illustration)

„Die Höhle muss hier irgendwo sein!“, rief ich Anup zu. Anup war seit dem ersten Tag der ersten Klasse mein bester Freund. „Ich bin mir ganz sicher …“ Weiter kam ich nicht. Ich blieb mit dem Fuß an irgendetwas hängen und fiel kopfüber in eine Kuhle voller Laub aus dem letzten Jahr. Es ist keine gute Idee, vorwärtszulaufen und dabei über die Schulter zu schauen. Schon gar nicht, wenn überall Felsen und Bäume im Weg stehen.

Mit lautem Geraschel tauchte ich aus dem Laubhaufen auf und pustete ein trockenes Blatt von meiner Nasenspitze. Ein anderes klebte mir über dem Auge. Das sah bestimmt piratenmäßig aus! Als ich es abzupfte, entdeckte ich ein kleines Loch in der Erde. Es lag genau vor mir, zwischen den Wurzeln einer windzerzausten Fichte. Im Gestrüpp hing ein Büschel Haare, das fast so rot war wie meine.

„Eins-a-Landung, Lucia!“ Anup streckte mir vom Rand der Kuhle aus die Hand entgegen und versuchte, nicht zu lachen. Freunde lachen nämlich nicht übereinander, wenn einem etwas Dummes passiert. Auch wenn das manchmal gar nicht so einfach ist.

Wir beide waren auf der Suche nach der geheimnisvollen Drachenhöhle, die hier im Wald sein sollte. So stand es in einer alten Sage. Und in dieser Sage stand auch, dass es in der Drachenhöhle einen magischen Schatz gab! Anup sah mich mit großen Augen an. „Hast du etwa gerade den Eingang zur Höhle gefunden?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nur das hier.“ Ich zeigte auf das rote Fellbüschel. „Das ist bestimmt von einem Fuchs. Dann ist das bloß ein Fuchsbau.“ Enttäuscht half Anup mir aus der Kuhle heraus. „Aber die Höhle ist hier irgendwo, das habe ich im Gefühl!“

Ich zupfte mir die letzten Blätter aus meinen Haarschnecken und setzte mich neben Anup unter einen Baum. Vorsichtig zog ich die Karte aus meinem Rucksack und faltete sie auf. Sie war viele hundert Jahre alt und knisterte unter meinen Fingern. Diese Karte würde uns hoffentlich helfen, den Eingang und den Schatz zu finden. Jedes Mal, wenn ich die verblassten Linien und Tintenspuren darauf berührte, lief mir ein Kribbeln über die Haut. Selbst an diesem heißen Morgen stellten sich die winzigen Haare zwischen meinen Sommersprossen auf.

Ich blinzelte gegen die Sonne, die von einem leuchtend blauen Himmel schien. Wie ein Zelt spannte er sich weit über den See und die Hügel. Ab und zu zogen ein paar weiße Wattewolken vorbei, die sich zu Wolkentieren ballten und wieder auflösten. Es hatte seit Wochen nicht geregnet, obwohl erst Juni war. So heiß und trocken war es ewig nicht gewesen. Wenn das kein Schicksal war!

Denn nur in den allerheißesten Jahren sank das Wasser des Sees so weit, dass man in die geheimnisumwitterte Drachenhöhle hineingehen konnte. Normalerweise war sie immer überschwemmt. Das wussten alle hier in der Gegend. Aber wo die Höhle war, konnte niemand so genau sagen. Den Schatz zu finden war nur an einem Tag möglich: dem Tag der Sommersonnenwende – also dem längsten Tag des Jahres – und der war heute!

Doch zuerst mussten wir den Eingang zur Höhle finden. Ich beugte mich über die Karte und las zum hundertsten Mal, was in altertümlicher Schrift darauf geschrieben stand:

Folge dem Drachen, der alten Schlange,

der über den Kristallsee wacht.

Am Hain der Eychen und Quitschen vorbey

kriecht er – sey’s Tag, sey’s dunkle Nacht –

hin zu den Felsen, den Hütern, den Drey,

hoch oben auf dem Hange.

Doch bleibt der Schatz dir, bleibt allen verwehrt,

bis am Firmament die Sonne Wolken

und selbst die Wasser der Tiefe verzehrt.

Erst dann wird an der hohen Pforte dir

von den Geschwistern Einlass ge …

Hier fehlte ein Stück der Karte und damit auch ein Teil der Wörter. „Mit dem Drachen muss der Felsen über der Badestelle gemeint sein!“, sagte ich. Anup nickte. „Jetzt, wo das Wasser so tief steht, sieht der Felsen von hier oben wirklich wie ein Drachenkopf aus! Ein Drachenkopf mit aufgestelltem Kamm und geblähten Nüstern.“ Anup zeigte auf Dellen und Zacken im Felsen, die sonst unter der Wasseroberfläche lagen. „Und Quitschen gibt’s hier auch!“, fügte er hinzu.

Quitsche, so hieß der Baum, an dessen silbriger Rinde wir lehnten. Zumindest bei uns in der Gegend hieß er so. Andere nannten ihn Vogelbeere oder Eberesche. Das wusste ich von Anup, der sich mit Pflanzen und Tieren auskannte wie niemand sonst. Und von meiner Mams, die sich mit alten Sagen und Märchen auskannte, wusste ich, dass der Baum in den Legenden ein magischer Baum war. Ich mochte Märchen. Und die alten Wörter, die darin vorkamen. Die besonders schönen Wörter schrieb ich in meine Kladde. Kladde ist so ein besonderes Wort – für eine Art Heft mit viel Platz zum Reinschreiben.

„Felsen gibt’s auch jede Menge.“ Anup schaute über die Steinbrocken, die zwischen den Bäumen hervorlugten. Ich sprang auf. Wir hatten lange genug herumgesessen. „Jetzt müssen wir nur noch die drei richtigen Felsen finden. So, wie es auf der Karte steht: Hin zu den Felsen, den Hütern, den Drey, hoch oben auf dem Hange.

Nur noch ist gut!“, brummelte Anup. Ich griff nach seiner Hand und zog ihn einfach hinter mir her. Etwa eine Stunde später standen wir wieder an derselben Stelle. Wir hatten hinter und unter alle Felsen geguckt, die irgendwie zu dritt zusammenstanden, aber nicht den kleinsten Hinweis entdeckt! „Wenn wir Pech haben, suchen wir ewig nach dem Eingang, ohne ihn zu finden. Selbst wenn die drei Felsen, von denen auf der Karte die Rede ist, ganz in der Nähe sind“, seufzte Anup. „Echt blöd, dass ein Stück deiner Karte fehlt! So wissen wir nicht mal, wo Norden und Süden sein soll.“

Damit hatte er natürlich recht. Andererseits hatten wir wenigstens eine Karte! Sie war zwar nicht vollständig, aber sie war durch die Zeit und durch unzählige Hände bis zu uns gewandert. Das musste doch etwas bedeuten, oder? „Wenn es so einfach wäre, den Schatz zu finden, wäre er längst weg!“, sagte ich. Anup winkte ab. „Wir suchen jetzt schon seit Stunden und haben nichts gefunden.“

So ganz stimmte das nicht. Wir hatten mehrere Felsspalten entdeckt, zwei Fuchsbauten und einen verschütteten Gang. Genau davor lagen ein durchgerosteter Eimer und ein geflochtenes Seil. Das Seil war alt und vom Moos grün verfärbt, aber sonst noch völlig in Ordnung, also hatte ich es mitgenommen. Genau wie den Angelhaken, der am Seeufer zwischen den Steinen klemmte, oder die rote Schnur, die sich im Gebüsch verfangen hatte. Als ich sie aufwickelte, ergab sie ein richtiges kleines Knäuel. Wer wusste, wozu wir das alles noch brauchen konnten.

Für einen gewöhnlichen Tag war das eine gute Ausbeute, aber heute war kein gewöhnlicher Tag, heute war der Tag der Sonnenwende. Unsere einzige Chance, den Eingang der Höhle und den Schatz zu finden. Anup nahm einen Schluck aus seiner Trinkflasche und deutete auf die verblassten Buchstaben und Linien, die jemand vor sehr langer Zeit auf die Karte gemalt hatte. „Es haben bestimmt schon viele Leute nach dem Schatz gesucht. Wenn ihn bis jetzt niemand gefunden hat, schaffen wir das wahrscheinlich auch nicht.“

„Du willst doch nicht etwa aufgeben?“, rief ich erschrocken. Dann wäre alles umsonst gewesen. Ich hatte mir die Schatzkarte nur ausgeliehen. Genau wie das besondere Springseil, das Mams sich für ihren Sport gekauft hatte. Ich hatte allerdings nicht gefragt, ob ich das durfte. Meine Mams hätte sicher Nein gesagt. Aber wenn ich die Karte wieder zurückbrachte und einen Schatz, wäre sie bestimmt nicht lange böse. Denn sie war so ziemlich die beste Mama der Welt.

Dummerweise gehörte die Karte aber eigentlich in eine der Bibliotheken oder Museen, für die Mams arbeitete. Dort gab es jede Menge alter Bücher und Schriften. Manche waren unscheinbar, manche Bücher waren mit Silber und Edelsteinen geschmückt. Fast alle aber sahen mitgenommen aus, hatten im Wasser gelegen, hatten eingerissene Seiten oder Einbände. Dann landeten sie in der Werkstatt meiner Mams, wo sie darauf warteten, entstaubt, von Schimmel und Flecken befreit und repariert zu werden. Was in dem Fall nicht reparieren, sondern restaurieren heißt.

Fragt mich nicht, warum. Das haben sich die Erwachsenen ausgedacht. Erwachsene machen es ja oft schwieriger als nötig. Sie sagen dann: „Das ist kompliziert!“, was bloß ein anderes Wort für schwierig ist und nicht mal ein schönes. „Das ist kompliziert“, hatten meine Mams und mein Paps auch gesagt, als sie mir erklärten, dass sie nicht mehr so richtig zusammenpassten und deswegen auseinanderziehen, aber trotzdem Freunde bleiben würden. Ich fand ja, dass sie toll zusammenpassten. Hat aber nichts genutzt.

Seitdem war ich nach der Schule oft in Mams’ Werkstatt, im Erdgeschoss unseres windschiefen Häuschens. Ich mochte das Knistern beim Aufschlagen der brüchigen Einbände, den Geruch des alten Papiers und das Wispern des Staubpinsels. Manchmal durfte ich helfen. Bei den wertvollen Schriften mit goldenen Buchstaben, bunten Bildern und Schnörkeln ließ mich Mams nur zuschauen. Dafür gab sie mir ab und zu einen der Kartons, die ihr die Leute aus der Umgebung brachten.

Es hatte sich herumgesprochen, dass sie an der Geschichte und den Geschichten der Gegend interessiert war. Die meisten der alten Bücher und Dokumente waren nichts Besonderes. Manche waren wegen der Zeit wichtig, von der sie erzählten. Zum Beispiel, wenn es um die Jahre ging, als es zwei Deutschland gab. So was können sich auch nur Erwachsene ausdenken. Die Sachen fand ich oft langweilig, aber manchmal war auch ein echter Schatz darunter. Oder die Karte zu einem Schatz. Genauer gesagt, zu einer Schatzhöhle.

Und wenn wir heute den Eingang zur Drachenhöhle fanden, dann bestimmt auch den dazugehörigen Drachenschatz! Glaubte ich. Hoffte ich. „Ich will bestimmt nicht aufgeben! Es wäre so toll, wenn wir den Schatz finden würden!“ Anup kickte ein Stück Geröll aus dem Weg. „Aber langsam weiß ich nicht mehr, wo wir noch suchen sollen.“

„Die Lösung ist hier!“ Ich tippte auf die Karte. „Wir sehen sie bloß nicht!“ Anup seufzte. „Also noch mal von vorn. Wir sind eben vom Drachenfelsen aus den Hügel hochgelaufen.“ Ich nickte. „Ja, so, wie es auf der Karte steht: Am Hain der Eychen und Quitschen vorbei.

„Das ist es, Lucia!“, rief Anup und lachte. „Das ist was?!“ Ich kapierte gar nichts. „Hier gibt’s Quitschen. Und Fichten. Was es aber nicht gibt …“ Statt weiterzureden, drehte er mich im Kreis. Plötzlich wusste ich, was er meinte. „Keine Eichen! Hier gibt es keine Eichen!“, sagte ich. Wir waren so überzeugt gewesen, den Hügel hinauf zu den Quitschen gehen zu müssen, dass wir gar nicht über die anderen Bäume nachgedacht hatten, die nach der Karte dort stehen sollten.

Über uns zog eine zarte, weiße Wolke. Erst sah sie aus wie ein Fisch. Der vordere Teil zog sich in die Länge und formte sich zu einem Kopf. Die Flossen wurden Flügel. Ein Drache! Ein Windhauch wirbelte die Wolke herum. Jetzt lag der Drache auf dem Rücken. Ich sah von der Wolke zu Anup und von Anup auf die Karte. „Das heißt“, überlegte ich laut, „wir sind auf der falschen Seite!“

Mit meinem Finger fuhr ich gegen den Uhrzeigersinn vom Drachenkopf, also nach links von mir aus gesehen. Dort waren auch viele Bäume eingezeichnet. „Sag mal, stehen am anderen Ufer des Sees Eichen?“

„Na klar!“ Anup sprang auf. „Eichen und Quitschen. Und das da“, er deutete auf drei unterschiedlich hohe Felsen, die auf der Seite des Sees aufgemalt waren, die dem Drachenkopf gegenüberlag, „das könnten die Drey sein. Die, die uns den Weg zum Eingang zeigen!“

Jetzt bist du an der Reihe!

Schau dir das Bild oben in diesem Artikel an! Erkennst den Drachenfelsen auf der Karte? Dann nimm dir einen Stift und mach dasselbe wie Lucia: Folge vom Drachenkopf aus gegen den Uhrzeigersinn der gestrichelten Linie zu den Bäumen. Und von den Bäumen geht es weiter zu „den Drey“. Auf deinem Weg findest du einige Zahlen. Welche sind es?

Noch mehr Rätsel von EXIT liest du in diesem Buch:

EXIT – Das Buch: Der geheime Schatz
von Anna und Mo Maybach und Inka und Markus Brand
KOSMOS Verlag
14,99 Euro
ab 8 Jahren

Die Lösung

Der Weg bildet nacheinander die Zahlen 7, 3 und 0.